© Reinhard Heldmann

In 30 Stunden zur eigenen Krippe

Gemeinsam kreativ beim Krippenbaukurs in Amberg

Senior Franz Kübert steht in einem zur Werkstatt umfunktionierten 70er-Jahre-Bad und tunkt den Borstenpinsel in einen mit weißer Farbe befüllten Joghurtbecher. Anschließend streicht er die Farbe auf die Außenseite seines selbstgebauten Krippenstalls. Franz Kübert ist gehörlos und Teilnehmer eines Krippenbaukurses, den die Krippenbaufreunde Amberg alljährlich in ihrem Heim am Amberger Waldfriedhof veranstalten. An neun Abenden, à drei Stunden, können die Hobbybastler ihre eigene Krippe gestalten. Jedem steht dabei ein versierter Helfer des Vereins tatkräftig zur Seite.

Amberg mit Krippen fluten
„In jedem Haus eine Krippe“ ist der Grundgedanke der Amberger Krippenfreunde, sagt Reinhard Heldmann (65), erster Vorsitzender des 1924 gegründeten Vereins. „Man wollte die Krippe unter die Leute bringen.“ An diesem Ziel hat sich bis heute nichts geändert, der Zulauf für die Kurse sei nach wie vor groß, auch für die Kinderkurse in den Herbstferien. Die Zahl der Vereinsmitglieder indes gehe stetig zurück. „Wir sterben aus“, sagt Reinhard Heldmann.
An Bautag sechs („Dacheinfassung und Farbfassung Wände“), sind drei Gruppen von Krippenbauern am Werkeln. Das Kripperl von Roman Braun wird ein bissl größer als das von Franz Kübert. Heute ist er alleine da, normalerweise hilft neben Unterstützer Harald Reitmeier auch noch der Sohn mit. Mit Holzleim klebt Roman Braun kleine Latten in den Giebel der Fassade von Haus und Stall. Harald Reitmeier sucht derweil ein passendes Stück getrockneten PU-Schaums, um die Außentreppe aus Styrodur mit einer besondere Felsenoptik zu verkleiden.

Jeder wie er möchte
Bei der Wahl der Krippe sei jeder Teilnehmer frei, sagt Reinhard Heldmann. Orientalisch, klassisch, alpenländisch – „Wir machen alles, wie es die Leute wollen.“ Inspiration gibt es im Krippenhaus am Waldfriedhof genug. So tummeln sich zahlreiche Häuser und Ställe auf den Ablagen hinter und oberhalb der Arbeitstische sowie im Speicher. Dort horten die Krippenfreunde ausgemusterte Krippen ehemaliger Mitglieder.
In einem Regal stehen liebevoll gestaltete Vogelhäuschen, Handkarren, Brunnen und Lagerfeuer in Miniaturform. „Die hat uns ein Mitglied, das leider schon verstorben ist, kurz vor seinem Tod vererbt“, sagt Reinhard Heldmann. „Wir geben es den Leuten im Kurs, wenn sie etwas davon haben möchten.“ Figuren fürs Kripperl muss sich dagegen jeder selbst besorgen. Die Krippenfreunde haben nur Muster da, damit später auch ja die Größenverhältnisse zwischen Stall, Tieren und der Heiligen Familie stimmen.

Eine Krippe für die Gemeinschaft
Im Raum nebenan sind drei weitere Bastler am Werk. Sie kommen von der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach und bauen an einer großen Krippenlandschaft für den Essensraum des Heims der Jura-Wohnen Amberg-Sulzbach gGmbH, einer Wohnanlage für Menschen mit Behinderung. Jede Woche dürfen andere Vereinsmitglieder zum Krippenbaukurs kommen, schließlich soll es ein gemeinsames Projekt werden, zu dem jeder seinen eigenen Beitrag leisten darf. Diesmal sind Sven Dorner, Sonja Kaiser und Luise Birner mit ihrer Begleiterin Sabrina Henning dabei. Sven Dorner deutet auf die PU-Schaum-Felsen auf der Platte. „Das Weiße habe ich draufgetupft“, sagt er stolz – eine Grundierung, damit die Farbe später hält, erklärt Helfer Ronny Hog. Er verputzt gerade die Außenmauern eines kleinen mit dunklen Schindeln eingedeckten Häuschens, das später ebenfalls auf der Platte Platz finden soll. Schraubzwingen fixieren seinen schmucken Balkon, von dem rechts eine filigrane Außentreppe aus Holz nach unten führt.

Bei den Krippenfreunden Amberg kann also
nicht nur jedes Haus eine eigene Krippe bekommen, sondern auch jedes (Wohn-)Heim. Das Fest der Liebe als große Gemeinschaftsaktion.

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von Dr. Marina Jung

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