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Ein Licht in der dunklen Zeit

Bayerisches Brauchtum rund ums Weihnachtsfest

Ein Einzelnes licht erhellt das Dunkel, eine Stimme durchbricht die Stille: „Tau aus Himmelshöhn“ – „Heil, um das wir flehn“. Wer könnte sich dieser Antwort auf den Ruf des Sängers entziehen? Gänsehaut-Feeling pur. Symbolik, die sich über Jahrhunderte hält, Emotionen, die Generationen verbinden, Werte, die weitergegeben werden. Die Weihnachtszeit ist erfüllt von Bräuchen, Erinnerungen, Überlieferungen und manchem Aberglauben.
Die Kirche ist Meister der Gesten. Nur mit Kerzenschein wurde frühmorgens eine besondere Atmosphäre geschaffen. „Rorate caeli“ – von dem lateinischen Eröffnungsvers aus dem Buch Jesaja haben die Rorate-Gottesdienste ihren Namen. Das Licht als Sinnbild für die Geburt des Messias, die der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkündet. „Engelamt“ werden diese Advents-Votivmessen daher im Volksmund genannt. Ob traditionell mit gregorianischem Choral oder eben auf Deutsch bringen diese besonderen Gottesdienste die Sehnsucht nach der Ankunft Gottes zum Ausdruck.
Rorate-Messen finden inzwischen meist abends statt. Mancherorts tragen Pfarrer und Ministranten im Vorabendgottesdienst die Bayerisches Brauchtum rund ums Weihnachtsfest jeweils neue Adventskerze brennend in die dunkle Kirche. Gern illuminiert dann auch Farblicht die aufstrebenden Pfeiler des Gotteshauses. Denn Bräuche leben vom Wandel. Erstarren sie, flacht das Interesse ab.

Herberge für die Jungfrau Maria
Dann braucht es Menschen, die sich erinnern und aktiv werden. So war das „Frauentragen“ fast verschwunden. Die Nachstellung der Herbergssuche ist ein katholischer Adventsbrauch aus dem Barock, dem seit den 1980er-Jahren in Altbayern Pfarreien und Frauen bünde neues Leben einhauchen. Eine Marienstatue oder ein Bild der schwangeren Gottesmutter wird vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend von Familie zu Familie weitergegeben und erhält so Herberge für eine Nacht. Bei Gebeten und Adventsliedern oder gar einem privaten Wortgottesdienst kehren freudige Erwartung und Ruhe ein. In den Kirchen kann man sich dafür in Listen eintragen, wie einst Maria und Josef.

Von Strohhalmen und guten Taten
Bis in die 1960er hielt sich der Brauch des Strohhalmlegens. Die Krippenszene wurde im Advent aufgebaut, das Jesuskind durfte jedoch erst an Heiligabend dazu gelegt werden. Als weiches Bett diente ein Polster aus Stroh. Dieses mussten sich die Kinder Halm für Halm durch braves Verhalten und gute Taten verdienen. Ein Symbol der Nächstenliebe mit einem pädagogischen Hintergedanken, bei dem manche Eltern als Strafe für Fehlverhalten auch Halme entfernen ließen.

Advent: Jeden Tag eine kleine Freude
Wie viel unbeschwerter sind da die profanen Adventskalender, die ab 1950 in breiter Masse das Warten aufs Christkind in 24 Schritte zerteilen und versüßen. Anfänglich mit Bildchen, später mit Schokolade gefüllt gibt es sie mittlerweile in allen Varianten, ob selbstgebastelt, mit Gutscheinzetteln oder Spielsachen, für Erwachsene oder als (digitale) Gewinnspielvariante. Der Kommerz lässt grüßen, aber die tägliche kleine Freude eint diesen Brauch.

Guter Duft und reinigender Rauch
Festliche Stimmung bringen putzige Räuchermännchen aus dem Erzgebirge in die Stube. Das heimelige Ritual mit Düften von Fichte, Orange oder schlicht „Winterzauber“ übertrifft moderne, leuchtende Diffusoren um Längen. Etwas mehr Aufwand muss betreiben, wer nach alter Sitte Haus (und Stall) durch Rauch reinigen möchte. Auf einem Pfännchen mit heißer Kohle verströmen Weihrauch, Salbei und Wacholder ihren Duft. Feiner weißer Rauch wird von Raum zu Raum getragen, steigt in jede Ecke. Zwischen 25. Dezember und 6. Januar soll das uralte Ritual den Ballast des vergangenen Jahres tilgen. Jeder Tag und jedes Räucherwerk hat mystische Bedeutung.

Ein Friedenslicht geht um die Welt
Nicht schwelen, sondern leuchten soll an Heiligabend eine Kerze im Fenster. Sie steht für Gastfreundschaft, ist Sinnbild für Solidarität. Seit 1986 entzündet auch der Papst dieses Friedenslicht, das Pfadfinder aus der Geburtsgrotte Jesu Christi in Betlehem mit Laternen in viele Länder rund um den Globus bringen. Die Initiative des österreichischen Fernsehsenders ORF ist ein neuer Brauch, der 2026 dieses Motto hat: „Gemeinsam Frieden wachsen lassen“.

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von Gertraud Wittmann

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