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Der Geist des Weihnachtsfestes

Wo der Christkindlmarkt-Besuch zum Erlebnis wird

Wenn eine Stadt den Titel „Best Christmas City“ in der Kategorie „Großstadt“ führt, muss das Erlebnis, das Besucher dort erwartet, wahrlich weihnachtlich sein. Regensburg hat diesen begehrten von der „Christmasworld“ verliehenen Titel bekommen – der weltweit führenden Messe für Dekoration und Festschmuck. Allein der Christkindlmarkt auf dem Neupfarrplatz wurde in verschiedenen Umfragen zu einem der zehn beliebtesten Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum und außerdem zum schönsten in Bayern gewählt. Ein Besuch genügt, um zu verstehen, warum dem so ist.

Wer sich den 69 rot-weiß-bedachten Buden und den drei festlich geschmückten großen Christbäumen rund um die evangelische Neupfarrkirche nähert, könnte meinen: „Ein Christkindlmarkt wie jeder andere.“ Aber weit gefehlt. Hier gibt es weder Plunder noch Kitsch. Der Markt hat sich in seiner über 200-jährigen Tradition die Vielfalt seines hochwertigen Angebots bewahrt. Es gibt edles Kunsthandwerk aus Glas, Keramik oder Holz sowie handgeblasene Christbaumkugeln. Kuschelige Mützen und flauschige Socken halten an kalten Tagen warm. Bunte Taschen und hochwertiger Schmuck eignen sich ebenso als stilvolles Geschenk wie Fair-Trade-Produkte aus Indien und Nepal, exotische Teeblumen oder bunte Edelsteine und Drusen, mit Kristallen besetzte Gesteinshohlräume. Die 5-Euro-Druse eines Kindes entpuppt sich beim Aufschneiden als 100-Euro-Glücksgriff? Statt Missgunst freut man sich mit dem Glückspilz.

Alle Beschicker sind freundlich und darauf bedacht, Besuchern einen schönen Aufenthalt zu bieten und ihnen den Geist des Weihnachtsfestes näherzubringen. Für eine kleine Spende repariert eine Bildhauerin in der „Krippenklinik“ Ochs und Esel, damit auch diese zu Heiligabend wieder in der Krippe stehen können.

Ein Markt der Düfte und Genüsse
Wie schön es doch wäre, wenn es zum Aussuchen auf einer Speisekarte gleich eine kleine Geschmacksprobe dazu gäbe? Zugegeben, mit gratis Kostproben können die Beschicker auf dem Regensburger Christkindlmarkt nicht dienen, aber wenn die krossen Bratwürste, die gerösteten Maroni und die frischen Apfelbeignets ihren betörenden Duft verströmen, kommt es einer Kostprobe schon sehr nah. Sich bei dem breiten Angebot zu entscheiden, fällt schwer. Vor allem, wenn man sieht, wie liebevoll das Essen zubereitet wird. Vorsichtig wird das heiße Forellenfilet auf der mit Salat garnierten Semmel drapiert und mit einem Klecks Sahnemeerrettich veredelt. Die „Knackersemmel mit allem“ – über die Stadtgrenzen hinaus bekannter Kult – bekommt ihr Gewand aus Senf, Meerrettich und Essiggurke, während die apfelgroßen, noch dampfenden Quarkbällen in Zucker gewälzt werden, bevor eine Familie sie sich genüsslich teilt. Putenkäsekrainer, Tomate-Mozzarella-Bratwürste, Dampfnudeln, Crêpes – das Angebot ist mannigfaltig. Pescetarier, Flexitarier, Vegetarier, Veganer und auch Menschen, die wegen Allergien und Unverträglichkeiten auf ihre Ernährung achten müssen, werden begeistert sein. Ebenso umfangreich ist die Auswahl bei Getränken mit und ohne Alkohol: Heidelbeerglühwein aus dem Bayerischen Wald, Apfelglühwein von Oberpfälzer Streuobstwiesen und hausgemachter Eierpunsch erfreuen sich großer Beliebtheit.

Jeden Tag ein anderes Programm
Den außerordentlichen Rahmen für das Treiben auf dem Markt bildet ein buntes Programm. Zur Eröffnung am Montag vor dem ersten Advent durch Oberbürgermeister Thomas Burger erscheinen auf dem Balkon der Alten Wache das Christkind und St. Nikolaus. Musikalisch begleiten die Regensburger Domspatzen sowie die Posaunenchöre, die Kinder des Kinderheims St. Vincent tragen ein Gedicht vor. An allen anderen Tagen stimmen unterschiedliche Musikgruppen Besucher von nah und fern mit ihrem besinnlichen Programm auf die Weihnachtszeit ein.

Auch für Kinder ist einiges geboten, unter anderem an den beiden Fahrgeschäften. Kinder fahren mittwochs zu vergünstigten Preisen, während der Nikolaus nachmittags Schokolade verteilt. Die Jüngsten blättern derweil begeistert im großen Regensburger Christkindlmarkt-Wimmelbuch und schauen, ob sie dort den Nikolaus, die Krippe oder die weihnachtlichen Marktmäuse finden. Geöffnet hat der Christkindlmarkt auf dem Neupfarrplatz vom 23. November bis zum 23. Dezember, sonntags bis mittwochs von 10 bis 20 Uhr, donnerstags bis samstags von 10 bis 21 Uhr.

Für immer im Herzen

Von Sternenkindern & Kripperlfiguren

Ein älteres Ehepaar geht zu der Tanne unter den Kaufhof-Balkon auf dem Regensburger Neupfarrplatz und hängt einen kinderhandgroßen weißen Stern dran – für ihren Sohn, der jetzt 50 wäre. Doch die Sonne hat er nie gesehen: Der Sohn ist ein Sternenkind.
Andrea Zrenner ist Holzbildhauermeisterin und freischaffende Künstlerin. Vor etwa 20 Jahren hat sie selbst ein Sternenkind bekommen. Zusammen mit Veronika Maierhofer hat die 62-Jährige vor zwei Jahren den Sternenkinderbaum auf dem Regensburger Christkindlmarkt initiiert. An ihrem Stand können trauernde Eltern mit Acrylstiften einen Stern zum Gedenken an ihr ungeborenes Kind gestalten. „Weihnachten hat viel mit Emotionen und Liebe zu tun, aber auch mit Trost“, sagt Andrea Zrenner. Dass Kinder, die nie sichtbar waren, nicht vergessen werden und Eltern als Eltern wahrgenommen werden, sei ihr ein Anliegen. „Vater oder Mutter wird man nicht erst, wenn man sein Kind im Arm hat.“
Für Andrea Zrenner ist ihre verlorene Tochter ein Engel, der sie stets begleitet. Gerade für spirituelle Menschen sind Engel wichtig. Als Holzfiguren können sie für trauernde Menschen Symbole der Erinnerung sein. Für viele andere sind sie gerade zur Weihnachtszeit ein beliebtes Geschenk für Menschen mit Herz und Wohlfühldeko für das eigene Zuhause.

Wenn dem Schaf ein Beinchen fehlt
Früher hatte Andrea Zrenner Krippen, heute finden sich fast ausschließlich Engel am Stand, als Skulpturen, Kerzen oder Karten(-sets). Ein bisschen Krippe hat sie sich dennoch erhalten: In ihrer „Krippenklinik“ repariert sie in den vier Wochen vor Weihnachten Krippenfiguren gegen eine feste Spende. Dabei hört sich „reparieren“ weniger aufwändig an, als es ist. Während ein Hirte eine abgebrochene Laterne relativ schnell wieder in Händen hält, dauert die Rekonstruktion eines Schafbeins aus Gips deutlich länger. Auch einem wächsernen Jesukindlein einen neuen Arm zu modellieren, braucht Zeit und Wachs im passenden Farbton. Solche Arbeiten übernimmt Zrenner nachts in ihrer Werkstatt, während sie tagsüber am Stand steht. Warum sie das tut? „Es ist eine Herzensangelegenheit für mich. Bei Krippen geht es nicht um den monetären, sondern um den ideellen Wert. Es geht um das Weihnachten der Kindheit und um alte Figuren, bei denen man merkt, dass sie sich jemand zusammengespart hat.“ Wenn sie Maria, Josef oder das Jesuskind noch kurz vor Weihnachten an ihre Besitzer zurückgibt, ist sie selbst der Engel. Einer, der Geschenke macht, die für andere nicht mit Geld aufzuwiegen sind.

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